"Reiner Kotullas Romane bieten
linke Gesellschaftskritik - neben
Unterhaltung, Fiktion, Spannung,
Lokalkolorit und Erotik."
(Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Partei DIE LINKE)
(aus: Süddeutsche Zeitung, Nr. 274, Seite: 16)
"Der Stil-Test „I write like" ist ein Renner im Internet
Selbstfindungsprozesse sind etwas Schwieriges. Eine der beliebtesten Aktivitäten
beim Identitäten-Twisterspiel Facebook ist der Ähnlichkeitstest. Man kann
erfahren, mit welcher Disneyprinzessin man seelenverwandt ist und wel¬cher
Menschentypus in einem schlummert, gemessen an den ganz Großen wie Charles
Manson. Auch Artefakte aus Mu¬sik, Film und Literatur wurden stets da¬mit
verglichen, was zuvor im jeweiligen Genre passiert ist. Da kaum jemand et¬was
gänzlich aus sich heraus produziert, abgesehen von Gott, ist die Kunstreflexi¬on
auch immer eine Wissenschaft der Re¬ferenz.
Besonders in der Literatur gibt es dies¬bezüglich eine lange Tradition. Gerne
arbeitet das Marketing von Verlagen mit dem geschickt eingesetzten Vergleich:
„X schreibt, als hätte Autor y während einer Liaison mit Kollegin z eine
Frisch¬zellenkur in der Toskana genossen." Oder so ähnlich. Und welcher Kritiker
entdeckt nicht gerne einen neuen Carver, eine zweite Bachmann, einen dritten
Airen?
Dank der modernen Technik ist die Verwandtschaftssuche nun noch einfacher. Auf
der amerikanischen Seite „I write like" ermittelt eine Maschine dank einem
ausgetüftelten Algorithmus, welchem berühmten Autor der eigene Stil am nächsten
ist. Schnell wurde die Erfindung des Russen Dmitrij Chestnykh zum Renner im
Internet. Dieses Werkzeug kann die Beziehungen der literarischen Welt neu
ordnen. Das Ganze basiert auf einem System, das eigentlich in der Welt der
Zahlen zu wirtschaftlichem Nutzen führen soll. Der Bay-es-Klassifikator ordnet
jedes Objekt der Klasse zu, in die es mit der größten Wahr-scheinlichkeit
gehört: Dieses Verfahren wird auch gerne bei E-Mail-Spamfiltern benutzt. Das
automatisierte Schubladendenken sortiert hier wie dort die Wörter.
Gibt man nun testweise eine Passage der offiziellen englischen Übersetzung von
Kafkas „In der Strafkolonie" ein, so ist das Ergebnis: Dan Brown. Zunächst
überraschend. Doch haben beide Autoren ja gemeinsam, dass sie gerne mit
metaphysischen Elementen arbeiten und außerdem große Verschwörungstheoretiker
sind.
Richtig interessant wird es, wenn man daraufhin Dan Brown eingibt, denn die
Identitätsfrage ist bei „I write like" ganz schön kompliziert: Ich bin du, aber
du bist nicht ich, heißt es. Dan Brown seinerseits, lautet die Auskunft,
schreibt eher wie Edgar Allan Poe. Bleiben wir sicherheitshalber bei den
englischen Originalen, so wird mit dem Testverfahren auch der Gendergap
überwunden: John Irving schreibt wie die feministische
Science-Fiktion-Grande-Dame Margaret Atwood. Mit diesem Wissen könnten die
beiden, falls nicht schon der Fall, dickste Freunde werden.
Zuletzt probierte es die Autorin dieser Zeilen mit einer kleinen, übersetzten
Passage ihres gedanklichen Ergusses. Und was kam dabei heraus? Steven King.
STEPHANIE DREES"
Also habe ich es auch probiert, habe
nacheinander meine Romantexte eingegeben. Nach der Analyse schreibe ich
wie: