Zensur bei der Wetzlarer Neuen Zeitung?
„Ich
hatte die Anweisung, ausschließlich über die eine Rede zu berichten“, meinte
der Reporter der Wetzlarer Neuen Zeitung auf meine Frage, wer ihm sage, was
er zu schreiben habe.
Um was geht es?
Seit Wochen finden, in Wetzlar immer montags Mahnwachen und Demonstrationen
für das Abschalten sämtlicher Atomkraftwerke statt. 100 bis 400
Atomkraftgegner nehmen teil, und so kann die Regionalpresse darüber nicht
schweigen.
Von Anfang an kommen neben dem Veranstalter Menschen verschiedener
Organisationen, wie Grüne, Linke, Attacis, Jusos und andere zu Wort. In den
Berichten der Regionalzeitung werden die Redebeiträge allerdings nicht
erwähnt.
Falsch, mit einer Ausnahme. Einmal, zum Abschluss der Demo vor dem Wetzlarer
Kreishaus, sprach der Kreisbeigeordnete, und dessen abgewogene Worte waren
tags darauf im Presseartikel nachzulesen.
Zensur nenne ich das, und das sagte ich auch dem zuständigen Reporter.
Der Redebeitrag der LINKEN zum Thema Politiker und Energiekonzerne:
Wem Politiker schon während ihrer politischen Tätigkeit dienen, kann man
daran erkennen, wer sie später, zum Dank für geleistete Arbeit, in seinen
Dienst nimmt und entsprechend entlohnt. Hier nur zwei Beispiele:
Wolfgang Clement, ehemaliger SPD-Ministerpräsident von NRW:
Seit seinem Ausscheiden aus der Politik nahm er zahlreiche Posten in der
Wirtschaft an, hauptsächlich in der Energiewirtschaft. Seit 2006 sitzt er im
Aufsichtsrat einer RWE-Kraftwerkstochter.
Joseph Fischer, genannt Joschka, ehemaliger Grünen Außen-minister, schloss
2009 einen Vertrag mit den Energiekonzernen RWE und OMV als politischer
Berater.
Im selben Jahr wurde Fischer Berater für den Autokonzern BMW, und im Oktober
zudem Berater der Siemens AG.
Das nennt man dann verharmlosend Lobbyismus.
Und ist es nicht genau dieser RWE-Konzern, für den Fischer und Clement
arbeiten, der gerade gegen die Abschaltung von Biblis klagt, und jetzt sogar
Zahlungen in den ÖKO-Fonds verweigert?
Politiker können sich damit zu Handlungsgehilfen von Unter-nehmen machen,
die sich, wie jetzt in Fukushima deutlich wird, einen Dreck um die
Sicherheit der Meiler kümmern, nur um massig Kohle abzusahnen.
Eine Energiewende wird es nicht geben, solange die Profit-maximierung das
Handeln der großen Energiekonzerne bestimmt. So kassieren RWE und Konsorten
für jeden steuerlich abgeschriebenen Atommeiler, der am Netzt bleibt, rund
eine Million Euro – am Tag.
Deshalb fordert DIE LINKE, als einzige Partei in Deutschland, die
Überführung der Energie- und Atomkonzerne in öffentliches Eigentum, um sie
damit unter eine wirksame öffentliche Kontrolle zu stellen.
Doch bis das soweit ist, fordern auch wir: ABSCHALTEN, UND ZWAR SOFORT!
Schuldenbremse – NEIN DANKE!!!
Von Reiner Kotulla
Am 27.März 2011 wählen die Hessen nicht nur ihre Kommunalparlamente, sondern
entscheiden auch über die Aufnahme einer „Schuldenbremse“ in die
Landesverfassung.
DIE LINKE lehnt die Schuldenbremse ab, weil sie der Ansicht ist, dass
diejenigen die Schulden bezahlen müssen, die sie auch verursachen.
Im SONNTAGMORGEN MAGAZIN vom 16. Januar konnte man nachlesen, dass sich der
hessische CDU-Rechtsaußen, Irmer beim Neujahrsgespräch seiner Partei für die
„Schuldenbremse“ aussprach. Dazu sagte Finanzminister Schäfer: „Wir waren
dem wirtschaftlichen Zusammenbruch näher, als den Menschen bewusst war.“
Falsch, nicht nur wir Bürgerinnen und Bürger Hessens, sondern das
kapitalistische System ist in eine seiner schlimmsten Krisen geraten, von
deren Ausmaß wir erst jetzt aus des Ministers Mund erfahren. Und, sie ist
noch nicht überstanden, wird auch nicht die Letzte sein.
Wirtschaftskrisen gehören zum Kapitalismus wie das Weihwasser in die Kirche.
Wir wissen längst, dass Beschäftigungslose und Beschäftigte die
Spielschulden der Banken- und Industriezocker bezahlen.
Genau das steckt hinter der Absicht, eine „Schuldenbremse“ in die hessische
Landesverfassung einzubauen. Damit wird der Staat zum Sparen verpflichtet.
„Ist doch in Ordnung“, sagen Hausmänner und Frauen.
Die Frage ist aber, wo wird gespart? Antwort gab die CDU/FDP
Landesregierung, als sie Lehrerinnen und Lehrer durch Mütter, Omas und Opas
ersetzen wollte. Neuerdings werden fehlende Polizistinnen und Polizisten
durch selbst ernannte Hilfssheriffs ersetzt. Die WNZ vom 16.1. spricht von
600, die bereits im Einsatz sind.
Demnächst begrüßt uns Metzgermeister Mustermann auf der chirurgischen
Station und stellt sich als der Operateur vor.
Das verstehen die Damen und Herren der CDU/FDP Landesregierung und ihre
Sympathisanten von SPD und Grünen unter Sparen.
Wir sagen dagegen: Bittet die Zocker zur Kasse. Doch das werden sie nicht
tun, denn bekanntlich hackt die eine Krähe der anderen kein Auge aus. Und
wer weiß, für welche Posten sich die Herren Bouffier und Hahn schon heute,
für den Fall ihres Ausscheidens aus der Politik bei Finanz- und
Industriebossen anbiedern.
DIE LINKE fordert: Anstatt die Schuldenbremse in der Hessischen
Landesverfassung zu verankern, sollte sich die Hessische Landesregierung um
eine sozial ausgewogene Steuerpolitik bemühen, die für höhere Einnahmen in
die öffentlichen Haushalte sorgt.
Die „Schuldenbremse“ ist aus unserer Sicht das Seil, an dem sich die Bürger
selbst aufhängen sollen.
* *
*
Wozu militärische Aufklärung?
Von Reiner Kotulla
Aufklärung beantwortet die Frage, ob und wenn ja wie militärisch gehandelt
werden soll.
Wer also aufklären lassen will, schließt nicht aus, bei entsprechenden
Ergebnissen auch militärisch handeln zu wollen.
In der jungen Welt vom 22. Februar 2011 war zu lesen:
„Weltsicherheitsrat muss libyscher Bevölkerung sofort beistehen.In Libyen
regieren Mord und Totschlag. Das alte Regime reißt viele Menschen mit in
seinen Unter-gang. DIE LINKE fordert ein Ende der Gewalt durch die Regierung
und steht auf der Seite der Bevölkerung. Gaddafi und seine
Familienherrschaft haben sich über-lebt, er und seine Söhne müssen
unverzüglich die Macht abgeben“, so Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer
Sprecher der Fraktion DIE LINKE. Gehrcke fordert:
„Die Sitzung des Weltsicherheitsrats muss unverzüglich die Entsendung einer
internationalen Aufklärungsmission nach Libyen beschließen und damit der
libyschen Be-völkerung beistehen. Eine deutsche Initiative dahin gehend ist
mehr als überfällig.“
Dagegen fordert der erste Parlamentariertag der Partei Die Linke am
Sonnabend, 26.02.2011 in Magdeburg in einer Erklärung einstimmig:
„Keine Militärintervention in Libyen
Die Linke fordert, die Gewalt und das Morden in Libyen sofort zu beenden.
Der Wille der Bevölkerung nach einem Leben in Würde, in Freiheit, Demokratie
und sozialer Gerechtigkeit darf nicht länger mit brutaler Re-pression und
Gewalt unterdrückt werden. Unsere Solidarität gilt den Menschen, die jetzt
aufgestanden sind und für ihre Rechte streiten.
Alle Staaten sind aufgefordert, jegliche Waffen-lieferungen und finanzielle
Hilfen für das alte Regime in Libyen zu beenden. Wir weisen alle
Überlegungen inner-halb der NATO- und EU-Staaten zurück, in Libyen
militärisch zu intervenieren. Eine solche Intervention würde nur zur
Gewalteskalation beitragen, zu mehr Blut-vergießen führen, die Opposition
schwächen und dem Ghaddafi-Regime nützen. Jetzt geht es darum, den aus dem
Land flüchtenden Menschen zu helfen und die Widerstands- und
Befreiungsbewegung in Libyen konsequent zu unterstützen.“
Meine Meinung: keine Aufklärungsmission, keine Militärintervention und damit
kein Menschenrechts-imperialismus in Libyen.
* *
*
Wie kann ich stolz darauf
sein, dass NATO-Soldaten in Afghanistan im Interesse internationaler
Energie- und Rohstoffkonzerne Frauen, Kinder und Greise abknallen?
Aus: Süddeutsch Zeitung,
vom22./23.01.2011
Petraeus gegen Abzugstermin
„Truppenreduzierung hängt von Lage in Afghanistan ab"
Kabul - Der Befehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan,
US-General David Petraeus, hat vor überschwänglichem Optimismus in
Afghanistan gewarnt und jeden Truppenabzug von Fortschritten im Kriegsgebiet
abhängig gemacht. Petraeus sagte der Süddeutschen Zeitung, dass es zwar in
den vergangenen sechs Monaten „enorme Fortschritte" gegeben habe. Allerdings
müssten alle Abzugspläne von den „Bedingungen vor Ort" abhängig gemacht
werden. „Wir müssen übergroße Versprechungen vermeiden", mahnte Petraeus.
Der General äußerte sich mit Blick auf die im Bundestag in der kommenden
Woche anstehende Mandatsverlängerung für den Afghanistan-Einsatz der
Bundeswehr. Sie wird überlagert von Meinungsunterschieden zwischen
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Verteidigungsminister Karl-Theodor
zu Guttenberg (CSU), wie konkret sich die Bundesregierung auf einen Beginn
des Abzugs zum Ende dieses Jahres festlegen soll. Zwar sei es ein „Privileg
der Politik", über Termine zu diskutieren. Am Ende aber hänge „der
politische Wille vom Fortschritt vor Ort"' ab, so Petraeus. Zudem lobte er
die Leistung der Bundeswehr und der zivilen deutschen Helfer in
Afghanistan. Besonders hob er hervor, dass deutsche Truppen an der
Bekämpfung von Aufständischen beteiligt seien. Die Vertreibung der Taliban
aus der Region Kundus sei vor allem eine Leistung der Bundeswehr, „Die
Deutschen sollten sehr stolz sein", sagte er.
* * *
Wir leben in einer
Freiheitlch-Demokratischen-Unordnung. Jeder einigermaßen Sehende erkennt,
dass ökonomische Macht und politische Herrschaft - zum Beispiel Ackermann
und Merkel - Hand in Hand den Weg der Diktatur des Kapitals
beschreiten.
aus Süddeutsche Zeitung, vom
14./15. August 2010
"So dient man der neuen
Macht, einer unheimlichen, gesichtslosen Herrschaft, die keinen festen
Wohnsitz und kein Handy hat, als Person nicht greifbar und als Macht daher
auch nicht angreifbar ist. Es ist der unbekannte Großinvestor mit seinen
Trittbrettfahrern, den anonymen Kleinaktionären. Sie sind die Macht, die
Autorität und die Institution, die über das Wohl und Wehe ganzer Nationen
entscheiden. Wo ihr Geld hinfließt, blühen Oasen. Wo sie ihr Geld abziehen,
wächst die Wüste. Wo sie ihr Geld einsetzen, fordern sie Rendite, zehn
Prozent, zwanzig, fünfundzwanzig, immer mehr. Sie haben den Planeten zum
globalen Industriestandort gemacht, entlang ihren Geldströmen gestaltet sich
die Zukunft. An ihnen richtet sich alles aus. Politiker dürfen die
Entwicklung als Sachzwangvollstrecker und nachsorgende Betreuer der Opfer
begleiten."
* * *
In Tunesien
herrschte, wie wir erste jetzt erfahren haben, seit Jahrzehnten ein blutiges
Terrorregimes kapitalistischer Prägung. Warum wohl kam da keiner der Damen
und Herren auf die Idee, einem tunesischen Bürgerrechtler den
Friedensnobelpreis zu verleihen?
aus: junge Welt vom 17.01.2011
Karin Leukefeld
Das Regime Ben Alis
und der Westen
Gemeinsam für Repression und Verelendung
In Frankreich und den USA zum Geheimdienstoffizier ausgebildet war Zine Al
Abidine Ben Ali willkommener und zuverlässiger Partner des Westens und ihrer
verbündeten arabischen Regime im »Kampf gegen den Terror«. Gemeinsam mit
Algerien und Marokko, gehört Tunesien zu der vom Westen deklarierten Front
im Kampf gegen eine angebliche Al-Qaida im Maghreb, von der sich vor allem
die frühere Kolonialmacht Frankreich bedroht fühlt. Über Algerien fliegen
US-Spionageflugzeuge, um im »Antiterrorkampf« sämtliche Kommunikation über
Mali und Mauretanien abhören zu können. Diese Mission soll in den Luftraum
über Tunesien und Marokko ausgedehnt werden.
Engste Beziehungen pflegte Ben Ali zur ehemaligen Protektoratsmacht
Frankreich, zu Italien und Deutschland. Frankreich ist der größte
Handelspartner Tunesiens und viertgrößte ausländische Investor. Der Westen
unterstützte das tunesische Regime als sicheren Garant im Kampf gegen
Islamismus, obwohl entsprechende Gruppen in Tunesien eher als moderat und
aufklärt eingestuft werden, die nicht zu Gewalt neigen. Das Auswärtige Amt
in Berlin bezeichnete im August 2010 die außenpolitische Linie Tunesiens als
»gemäßigt« und »auf Ausgleich bedacht«, in Fragen der »Friedenssicherung,
Konfliktverhütung, Terrorismus- und Armutsbekämpfung« arbeite man eng
zusammen. Begrüßt wird die »wirtschaftliche Ausrichtung auf Europa«, mit dem
Tunesien 80 Prozent seines Außenhandels führt. Als Gründungsmitglied der
EU-Mittelmeerunion gilt Tunesien für die Bundesregierung als wichtiger
Mittler zwischen der arabischen Welt, Europa und Afrika. 1995 unterzeichnete
die EU mit Tunesien als erstem arabischem Land ein Assoziationsabkommen, in
dessen Folge die EU-Zölle auf Industrieprodukte 2008 abgeschafft wurden.
Konzentration auf den Ausbau des Sicherheitsapparates, eine von
Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank diktierte Privatisierung
und Liberalisierung der Wirtschaft und der Abbau von Subventionen
verschärften seit Jahren die wirtschaftliche Not der Bevölkerung. Die
dreiste Selbstbedienung der herrschenden Kaste um Ben Ali und
Vetternwirtschaft war selbst Thema bei Diplomaten, wie die von Wikileaks
Ende 2010 veröffentlichten Korrespondenzen der US-Botschaft zeigen. Darin
wurde die Familie Ben Alis wegen ihrer »organisierten Korruption« als »quasi
Mafia« bezeichnet.
Die Arroganz des tunesischen Regimes gegenüber Arbeitslosigkeit und Armut
der eigenen Bevölkerung ist kein Einzelfall in der arabischen Welt. Eine
Studie des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) wies kürzlich darauf hin, daß 50
Prozent der Arbeitslosen junge Leute sind, die höchste Rate weltweit. 40
Prozent der arabischen Bevölkerung, etwa 140 Millionen Menschen, leben in
Armut, woran sich in den letzten 20 Jahren nichts geändert hat. Obwohl diese
Studie beim Arabischen Gipfel 2009 in Kuwait vorlag, wurden keine Maßnahmen
gegen diese Entwicklung ergriffen.
Etwa 10,5 Millionen Menschen leben in Tunesien, das Land ist Mitglied in der
Arabischen Liga, gehört zur Gruppe der 77, der Interessenvertretung von 77
Entwicklungsländern gegenüber Weltbank und IWF, und zur Bewegung der
blockfreien Staaten.
* * *
Ich habe als Besucher an der
Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin teilgenommen. Als ich am Montag
danach die Berichterstattung darüber im Deutschen Fernsehen verfolgte,
fragte ich mich erstaunt; "bist Du wirklich dabei gewesen?"
aus jW vom 15.01.2011
Was für ein Jahresauftakt für
die Linke in Deutschland! Kommunismus ist in aller Munde, junge Welt,
Rosa-Luxemburg-Konferenz und Gesine Lötzsch sei Dank. Die große
Aufmerksamkeit im Vorfeld hat auf die Veranstaltung am vergangenen Samstag
natürlich ausgestrahlt. Mehr als 2200 Gäste nahmen an Vorträgen und
Diskussionen in der Berliner »Urania« teil, so viele wie noch nie zuvor. Das
K-Wort schreckt mithin nicht ab. 140 Journalisten waren akkreditiert,
darunter ein gutes Dutzend Kamerateams – das Gros von ihnen mit dem
Kampfauftrag versehen, Konferenzveranstalter junge Welt (»Sektiererblatt«)
und -teilnehmer (»Ewiggestrige«, »rote Faschisten«) zu diskreditieren. Häme,
Haß und Geifer, bloß keine Inhalte (siehe jW vom 11. Januar 2011).
Wer da war, weiß, wie es wirklich war. Selten war die Stimmung auf einer
Rosa-Luxemburg-Konferenz so locker, waren die Teilnehmer so gespannt wie
selbstbewußt. 2011 hat für Linke gut angefangen. Für die gleichnamige Partei
heißt es, aus der medialen Aufmerksamkeit politische Erfolge zu schlagen. (rg)
* * *
An
das Jahr 2011
von Dagmar Henn
Du, neues Jahr mit müder Währung
betrittst Europa schon in Gährung,
mit Bankenrettung, Spargesängen
und heller Panik in den Gängen
vom Reichtag bis zum Bellevue.
Der Vizekanzler-Parvenü
dreht eine allerletzte Runde
vor der Dreikönigs-Abdankstunde.
Frau Merkel bringt das Heil der Welt
der Deutschen Bank, dem großen Geld,
sie leert dafür Europas Taschen
mit Griechen-Iren-Rettungsmaschen.
Europa kommt jetzt ins Korsett,
Demokratie, das ist zu nett,
jetzt wird geschnürt und angekettet,
demnächst wird Spanien dann „gerettet“.
Matt glänzt der Spruch „Dem deutschen Volke“;
aus einer düster-braunen Wolke
blitzt Sloterdijk, gießt Sarrazin
alteklen Dreck darüber hin.
Und Guttenberg besucht die Truppen,
mit Gattin und den Pressepuppen,
grüßt herrschaftlich für die Journaille,
ein Blaublut ist keine Kanaille...
Ein Freikorpsprinz im Blätterwald-
ach, neues Jahr, du scheinst so alt
und riechst nach Tschingderassabumm,
nach Kriegsbrand und nach „Heldentum“.
Lass, neues Jahr, dich nicht so ducken,
lass uns in ihre Suppe spucken;
ein besseres Europa träumen
und ihre Macht beiseite räumen.
Dann musst du nicht so elend gehen,
wie du jetzt kommst. Dann wirst du sehen,
wie man noch gerne von dir spricht.
Wie's jetzt steht, klappt das leider nicht.
**********
Was ist Sexismus?
Unter Sexismus verstehe ich die Diskriminierung
oder Unterdrückung von Menschen allein aufgrund ihrer
Geschlechtszugehörigkeit. Der Begriff ist eine aus dem Englischen kommende
Parallelbildung zu Rassismus der sich lange ausschließlich auf die
Diskriminierung bzw. Unterdrückung von Mädchen und Frauen bezog.
Es ist ein
weitergetragenes Denken, Glauben, Meinen und ein Handeln als
gesellschaftliche Praxis, welches Männer privilegiere und Frauen unterwerfe.
Hierdurch werde das Tun von Frauen abgewertet und Frauen und Männer würden
auf bestimmte Rollen festgeschrieben.
„Die Worte
verletzen durch die dahinter verborgene Androhung von Gewalt. Es sind nicht
die sexistischen Bilder und Worte, die an sich so schlimm sind, es ist die
Macht über Frauen, die Androhung von Gewalt gegen Frauen, die der
sexistischen Sprache ihre Sprengkraft verleiht.“
Meint ANJA MEULENBELT, eine niederländische Autorin und Politikerin. Seit
10. Juni 2003 ist sie Mitglied der niederländischen Ersten Kammer für die
Sozialistische Partei Niederlande.
In Deutschland wurde Anja Meulenbelt als Feministin bekannt. In ihren
Publikationen ging sie der Fragestellung nach, wie sich Sexismus, Rassismus
überschneiden.
Zurück zu Anja
Meulenbelts Aussage: „Die Worte verletzen durch die dahinter verborgene
Androhung von Gewalt. Es sind nicht die sexistischen Bilder und Worte, die
an sich so schlimm sind, es ist die Macht über Frauen, die Androhung von
Gewalt gegen Frauen, die der sexistischen Sprache ihre Sprengkraft
verleiht.“
Dazu ein Zitat aus meinem Roman „Michelle“:
„Jetzt brüllte
Alexander um Hilfe.
Wie aus dem Nichts tauchte da eine dunkle Gestalt vor ihm auf. „Hat dir die
Lektion in der Kneipe nicht genügt?“
Sofort erkannte er ihn an der Stimme – Wagner. Der hielt drohend einen
Baseballschläger in der Hand.
Ich muss ihn hinhalten, dachte Alexander, vielleicht hat mich sonst noch
jemand um Hilfe rufen gehört.
„Klaus Wagner“, sprach er ihn deshalb direkt an, „reicht es
dir nicht, Michelle umgebracht zu haben?"
„Ich habe sie nicht umgebracht, sie ist gestürzt.“
„Und warum hast du sie in die Colchesteranlage geschleppt?“
Als er Wagner das fragte, und der antwortete, glaubt er zu
wissen, dass er hier nicht lebend davonkommen wird.
„Ich wusste, dass sie auf dem Weg zu dir war und wollte sie
nach der Diskette durchsuchen. Sie hat sich gewehrt und ist gestürzt. Jetzt
aber Schluss mit dem Gequatsche, wo sind meine Daten?“
In dem Augenblick tauchte hinter Wagner jemand auf. Ungefähr zehn Meter,
dachte Alexander.
Die Person lief an, wie zum Weitsprung, sprang auch, mit voller Wucht in
Wagners Rücken. Der taumelte, ließ den Schläger fallen, um sich auf dem
Boden abstützen zu können. Blitzartig kam er wieder hoch, griff in seine
Jackentasche. Dann die typische Handbewegung und das Messer sprang auf.
Wie im Kino, als unbeteiligter Zuschauer, ging es Alexander
durch den Kopf.
Inzwischen hatte die andere Person den Baseballschläger aufgehoben, da
standen sie sich, knapp einen Meter voneinander entfernt, gegenüber. Warum
hob er den Schläger nicht, um zuschlagen zu können, fragte sich Alexander
noch.
Stattdessen machte die Person einen Schritt auf Wagner
zu riss den Schläger hoch. Wagner stand breitbeinig vor ihr. Der schrie
gellend auf und seltsamer Weise empfand Alexander mit. Ein Schmerz, wie ihn
nur ein Mann nachempfinden kann.
„Das Messer“, brüllt Simone, „wirf es weg, du Schwein.“
Jetzt stand sie über dem gekrümmt am Boden liegenden Wagner, den Schläger
drohend erhoben.“
Was ist Prüderie?
Prüderie bezeichnet eine sehr empfindliche
Einstellung und Engherzigkeit gegenüber Sitte und Moral. Im weiteren Sinne
bezeichnet Prüderie eine Geisteshaltung, die das Ziel hat, sexuelle
Äußerungen jeglicher Art in der Öffentlichkeit und teilweise auch im
Privatbereich weitestgehend auszuschließen. Dies betrifft vor allem die
Darstellung oder auch nur Andeutung von Erotik in der Literatur.